Picton–Lass mich in Ruhe…


Ich setzte meine Reise von Taupo fort und fuhr mit dem Bus nach Wellington. Mangels sorgfältiger Planung, hatte ich in Wellington weniger als einen Tag zur Verfügung. Um genau zu sein, war es nur eine kurze Nacht in einem unglaublich lauten Hostel. Ich war genervt. Ständig unterwegs ohne Freunde mit schrumpfendem Geldbeutel und wenig Interesse neues zu entdecken. Langsam spürte ich, dass ich am Ende der Reise angekommen war. Ich hielt es nicht mehr lange durch.

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Um von Wellington nach Picton zu kommen, musste ich die Fähre nehmen. Hier konnte ich ein wenig entspannen, denn es gab ja eh nichts zu tun. Die Aufregung, die ich zu Begin meiner Reise auf der Fähre von Liverpool nach Belfast spürte, war bereits vollkommen verflogen. Ich sah die atemberaubende Landschaft Neuseelands und konnte mich doch nicht so recht daran erfreuen. Etwas stimmte nicht. Irgendwas fehlte. Oder war es schon zu viel? Ich wollte nicht aufgeben, aber Spaß hatte ich trotzdem nicht.

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Als wir in Picton ankamen fing es an zu regnen. Natürlich… Mürrisch machte ich mich auf den Weg zu meinem Hostel. Vor mir liefen zwei Mädels. Ich konnte hören wie sie sich unterhielten. Sie kamen aus Deutschland. Ich blieb stehen und ließ sie weiter von mir weg gehen. Ich hatte keine Lust auf Plaudereien über Deutschland oder deren tolle Reisegeschichten. Ich hatte meine eigene tolle Geschichte. Mit diesen Gedanken fühlte ich mich schlecht. Wollte ich denn nicht auch, dass mir die Leute zuhören und meine tolle Geschichte auch so toll finden wie ich?

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Trotzdem hoffte ich insgeheim, dass die beiden nicht in mein Hostel gehen würden. Ich sah, wie sie einen Augenblick stehen blieben, das Schild lasen und weiter gingen. Ich freute mich kurz und setzte meinen Weg fort. Plötzlich wurde ich von der Seite überholt und ein junger Kerl mit einem Weihnachtsmann-Bart ging vor mir ins Hostel. Ein junge mit blonden Dreads saß am Empfang und sprach mit abgehacktem Englisch ins Telefon. Ein Deutscher ganz klar. Ich stöhnte innerlich auf.

Es dauerte nicht lange, da stellte sich heraus, dass auch der Typ vor mir ein Deutscher war. ‘Na ganz toll’, dachte ich mir. Ein Hostel voller Deutscher… Das wird ja ein Spaß. Meine Befürchtungen wurden nur noch schlimmer, als ich merkte, dass es genau 2 Neuseeländer im ganzen Hostel gab. Der Rest waren Deutsche und eine Handvoll Australier. Ich verkroch mich in mein Bett in dem riesigen 20-Bett Zimmer und versuchte mich abzuschotten. Ich hatte keine Lust auf all die anderen “Abenteurer”, wie sich die meisten von ihnen wohl insgeheim sahen.

Picton Atlantis HostelPicton Atlantis HostelPicton Atlantis Hostel

 

 

 

 

 

Mit der Zeit jedoch wurde meine Langeweile zu groß. Ich machte mich auf um die kleine Hafenstadt zu erkunden. Ich kam nicht weit, denn der Regen wurde doller und ich nur genervter. Als ich zurück kam, saß der Typ  mit dem struppigen Bart, zusammen mit einem dürren Kerl (auch ein Deutscher) und der einzigen Neuseeländerin im Gemeinschaftszimmer auf der Couch. Ich setzte mich dazu. Der dürre Junge fing an zu sabbeln. Ich wollte nett bleiben, doch nach einigen sarkastischen Spitzen, entschied ich mich dafür, gar nichts mehr zu sagen.

Picton Atlantis Hostel

Ich konnte es nicht fassen, aber der Kerl mit dem Bart ging tatsächlich auf das stupide gesabbel ein. Ich war zu faul und zu gelangweilt um weg zu gehen. Ich hörte mir die sinnlose Konversation mit an und fragte mich, wie es manche Leute überhaupt alleine ins Flugzeug schaffen. Irgendwann stand der Dürre endlich auf und ging in die Küche um sich seine tägliche Portion Haferschleim zu kochen. Der Typ mit dem Bart heißt Felix und wurde schlagartig sympathisch, als er aufhörte mit den Gnom zu diskutieren.

Auch ihm ist die Übermacht der Deutschen Reisenden in Neuseeland bereits aufgefallen. An der Wand hingen 2 Karten mit der Überschrift “Where in the World are you from?”. Überall steckten kleine Nadeln auf den Karten. Doch von Deutschland war nichts mehr zu sehen. Es war durch die Nadeln zerfetzt und nicht mehr zu erkennen.

Picton Atlantis HostelPicton Atlantis Hostel

Felix hatte auch keinen langen Aufenthalt in Picton geplant und so beschlossen wir das Beste draus zu machen. Wir gingen in einen Pub auf ein Bierchen und unterhielten uns über unsere spannenden und abenteuerlichen Reisen. Felix erzählte tatsächlich interessante Sachen und ich freute mich sehr, dass ich über meinen Schatten gesprungen war. Auch wenn es nur dieser eine Abend war, war es eine schöne Begegnung die ich so schnell nicht vergessen werde.

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